Der Schmerz

Der Schmerz hat eine Warnfunktion. Man muss diesen Schmerz so schnell wie möglich lindern.

Etymologie (Herkunft und Geschichte der Wörter -ihre Bedeutung und Form)

Der einfache Ausdruck „Schmerz“ stammt vom althochdeutschen smerzo. Ein veralteter Begriff ist Pein (aber noch enthalten in peinlich; vergleiche englisch pain; beide von lat. poena= Sühne, Strafe, Rache). Medizinische Fachausdrücke sind Dolor (lat.) und Algesie (Gegenwort: die Analgesie), in Wortverbindungen die -algie, die -algesie (alles von griechisch άλγος, algos „Schmerz“) oder die -odynie (von griechisch οδύνη „Schmerz“). Die Sinneswahrnehmung des Schmerzes wird auch als Nozizeption bezeichnet.

Für den Schmerz gibt es viele Erklärungsversuche.

Meine ist:

Schmerz ist, wenn es wehtut,

ist die Erkrankung therapiert und geheilt und der Schmerz hört nicht auf, ist man mit großer Wahrscheinlichkeit,

Chronisch Schmerzkrank.

In diesem Fall spricht man von der Krankheit chronischer Schmerz .

Hier gibt es drei Unterarten:

· Der „nozizeptive Schmerz“

http://www.poweroveryourpain.de/docs/German/Schmerz/nozizeptive.html

· Der neuropathische Schmerz (Nervenschmerz)

· Den Kopfschmerz und die Migräne

Jeder Kopfschmerzpatient ist chronisch schmerzkrank. Nicht jeder chronisch Schmerzkranke ist aber Kopfschmerzpatient.

Noch wissen die Schmerzexperten nicht, warum ein Mensch einen chronischen Schmerz entwickelt. Es gibt Menschen, die z. B. in einen rostigen Nagel treten und von da an chronisch schmerzkrank sind.

Es gibt Menschen, die jahrelang Schmerzen haben und nach einer OP z. B. keine Schmerzen mehr haben.

Man weiß heute, dass sich im limbischen System, Rückenmark, im Zwischenhirn und im Großhirn ein Prozess entwickelt der uns schmerzkrank macht. Hier spricht man von dem Schmerzgedächtnis (http://www.medizinfo.de/schmerz/chgedaechtnis.htm) bzw. der neuronalen Plastizität.

Unter neuronaler Plastizität versteht man die Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich in Abhängigkeit von der Verwendung in ihren Eigenschaften zu verändern. Abhängig vom betrachteten System spricht man von synaptischer Plastizität (http://de.wikipedia.org/wiki/Synaptische_Plastizität) oder kortikaler Plastizität (http://de.wikipedia.org/wiki/Neuronale_Plastizit%C3%A4t)

Es gibt also keinen chronischen Rückenschmerz. Wenn im Rücken etwas defekt ist, hat man Rückenschmerzen. Wenn man einen chronischen Schmerz entwickelt hat, sitzt der im Zentralnervensystem (Gehirn, Zwischenhirn und Rückenmark), dasselbe gilt für die Arme, Knie, das Becken usw. Die Bandscheibe z. B. kann überhaupt nicht schmerzen, da sie keine Rezeptoren hat. Sie kann nur umgebendes Gewebe schädigen, in dem sie z. B. auf den Nerv drückt, dieser macht dann schmerzen. Chronische Schmerzen kann man also nicht operativ entfernen.

Ist also ein Knie geschädigt und schmerzt, muss man es medizinisch therapieren. Ist das Knie medizinisch austherapiert und schmerzt noch immer, muss man eine Schmerztherapie einleiten.

Schmerzen müssen immer sofort behandelt werden damit sie nicht chronisch wirken. Nur haben wirksame Schmerzmittel einen schlechten Ruf, das Opium. Stoffe aus dem Opium z. B. das Morphium machen meiner Erfahrung nach, nicht süchtig. Es ist das einzige Schmerzmittel, in lang wirkender (retardierter) Form, bei starken Rezeptor-Schmerzen, das langfristig eingesetzt werden kann ohne starke Nebenwirkungen..

Was Schmerzmittel nicht machen, ist gesund. Dieses muss der Patient selber machen mit Unterstützung von Physio- und Psychotherapeuten. Diese müssen aber erst den chronischen Schmerz verstehen.

Hier muss ein totales Umdenken, der sogenannte Paradigmenwechsel, in der Medizin geschehen.

Bei einem Phantomschmerz, d. h., wenn z. B. ein Fuß amputiert wurde und der Betroffene klagt immer noch Schmerzen im Fuß, weiß man, dass der Fuß nicht da ist. Lange nahm man an, dass sich dieser die Schmerzen einbildet. Heute weiß man, dass die neuronale Plastizität (das Schmerzgedächtnis) den Schmerz gelernt und gespeichert hat.

Was ist, wenn man den Fuß noch hat und dieselben Schmerzen, und der Mediziner sagt, dass er hier nichts mehr machen kann? Hat man dann nicht auch einen Phantomschmerz, sprich chronischen Schmerz. Der Patient kann dieses nicht erkennen, denn für ihn ist der Schmerz real und das Gliedmaß existent.

Wenn ich einen Schmerz habe, dieser nicht gelindert wird und ich versuche gegen den Schmerz anzugehen, trainiere ich Schmerzen. Je mehr ich trainiere um so besser lerne ich den Schmerz.

Der Teufelskreis, Circulus virtuosus, beginnt. Der Schmerz lässt mich nicht schlafen. Der fehlende Schlaf macht mich gereizt und schwach. Die Regeneration des Körpers ist eingeschränkt. Der Schmerz wird stärker. Für die Umwelt bin ich nicht mehr tragbar, da diese alle hilflos sind und sich so abwenden.

Der Schmerz ist immer real. Genau so, wie ich mir weder Liebeskummer, Glück oder Trauer einbilden kann, kann ich mir Schmerzen einbilden. Nur wenn ich sage, dass es weder Liebeskummer, Glück oder Trauer gibt, dann gibt es auch keinen Schmerz.

Jetzt kann ich mich z. B. in ein Liebesabenteuer nach dem anderen werfen aber ich bin immer noch „Liebes krank“. Alle diese Gefühle sind psychosomatisch, die Psyche hat eine körperliche Auswirkung und das Körperliche eine Psychische.

Es ist dasselbe Dilemma, wie mit dem halb vollen oder halb leeren Glas oder der Frage was zuerst da war? „Die Henne oder das Ei?“

Es ist eigentlich aber nicht wichtig. Es erfordert immer ein anderes Verhalten. Darum ist Verhaltenstherapie, bei chronisch Schmerzkranken wichtig. Nicht die Vergangenheit sonder die Zukunftsbewältigung sollte hier das zentrale Thema der Therapie sein.

Die Hirnforschung hat dieses Jahrzehnt zur „Decade of the Mind“ ausgerufen also frei übersetzt, die 10 Jahre zur Erforschung der Gedanken oder des Denkens. Vielleicht werden wir dann in 20 Jahren mehr über das Denken und Fühlen wissen.

Bis dahin müssen wir für einen Weg kämpfen, der den Schmerzkranken gerecht wird. Nur der Schmerzpatient hat die Schmerzen. Nur er muss mit den Schmerzen leben. Alle anderen haben vielleicht eine Ahnung, was Schmerzen sind und wie damit umgehen würden. Dieses ist aber nicht real.

So muss der Schmerzkranke zu seinem besten Schmerzexperten werden. Er muss sich seinen Schmerz bedingungslos glauben und sich auf den Weg machen, mithilfe der Therapeuten, zu einer Selbstheilung finden.

Diese schrieb schon 1913 der Arzt und Mitbegründer der Psychosomatik, Dr. Georg Groddeck, in seinem Buch Nasamecu, „ Natura sanat – Medikus curat":

Frei übersetzt: Die Natur heilt- Der Mediziner behandelt. Dieser Ausspruch wird mit dem Arzt Hippokrates von Kos in Verbindung gebracht.http://de.wikipedia.org/wiki/Medicus_curat,_natura_sanat

Lassen Sie sich also nicht „psychiatrisieren“, denn es gibt keinen Schmerz ohne Bewusstsein also ihrer Psyche. Ohne Bewusstsein, in der Narkose spüren sie keine Schmerzen, bei Bewusstsein spüren sie den vollen Schmerz. Hier muss man den Punkt finden, wie man bei einem relativ vollen Bewusstsein, relativ wenig Schmerzen hat. Das ist die Kunst der adäquaten Schmerztherapie.

Der Dauerschmerz verändert den Menschen. Es werden 4 Stufen der psychischen Veränderung durch den chronischen Schmerz beschrieben. (http://www.medizinfo.de/schmerz/chvorgang.htm)

So sind Depressionen, Ängste und Phobien bei chronischen Schmerzen sehr oft die Folge und nicht der Ursprung des Schmerzes.

Da der chronische Schmerz so komplex ist und die Medizin total umdenken muss (Paradigmawechsel), muss der Schmerzpatient sich in Betroffenen-Gruppen organisieren.

Das Thema „Paradigmawechsel“ muss noch gesondert behandelt werden.

Hier müssen dann unter Anleitung von ausgebildeten „Schmerzberatern“ dieses Wissen weiter gegeben werden.

Die Betroffenen-Gruppen müssen in das medizinische System eingebunden werden.

Wie schwer es ist, den chronischen Schmerz zu erklären, sieht man an dieser Seite. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist ein Erklärungsversuch, von einem Nichtmediziner, der sich auf den Weg gemacht hat seine Erkrankung zu verstehen.

Reiner Glissmann Januar 2011