Der Schmerz hat in der Gesellschaft eine Bedeutung.

Je nach dem wie ein Mensch diesen erfahren, ob z. B. als Bestrafung oder als Folge einer falschen Handlung oder als Grundlage der Religion, empfindet und bewertet er seinen Schmerz.

Darum geht er erst zum Mediziner, wenn er den Schmerz nicht mehr aushält. Die Zähne zusammen beißen, ein Indianer kennt kein Schmerz, die Heulsuse oder das Weichei sind hier im Volksmund Beispiele, wie man Menschen mit Schmerzen sieht. Hinter allen steht das Versagen. Erfolgreich zu sein, als Leistungsträger der Gesellschaft, steht dann an erster Stelle.

So versucht man die Realität zu verdrängen und trainiert so den Schmerz. Wenn man dieses Verhalten dann korrigieren muss, beginnt das Debakel.

Der Schmerzpatient wird zum Feind der Schmerztherapie. Der Mensch muss sein Verhalten ändern. Diese ist keine Aufgabe der Mediziner, sondern hier kommt der Psychotherapeut ins Spiel. Der Schmerzpatient will aber nur den Schmerz los werden. Er will die „goldene Pille“ und sein Leben so fortführen.

Der Schmerz in der Erziehung

Viele Erzieher nutzen Schläge oder psychisch Bestrafung, um das Verhalten der Kinder zu korrigieren. Nicht, dass das Fehlverhalten schon schmerzhaft genug ist, meist werden sie dann auch körperlich und psychisch gequält. Dabei muss der Mensch Erfahrungen machen, um unter gut und schlecht, unterscheiden zu können.

Der Schmerz in der Religion

Der Schmerz wird oft als Regulativ benutzt. Nicht religiöses Verhalten, wird mittels Bestrafung korrigiert und ist meist mit Schmerzen verbunden. Der Schmerz im Leben führt so zu Veredelung des Menschen im Diesseits und zur Erlösung im Jenseits.

Der Schmerz in der Medizin.

Für die Mediziner ist der Schmerz ein Symptom. Es zeigt ihm, dass irgendetwas im Körper geschädigt ist. Durch verschiedene Beweise, z. B. Röntgenbild, kommt er zum Umkehrschluss, dass die Verletzung, die Quelle des Schmerzes ist. Dieses muss dann nur korrigiert werden und der Schmerz ist verschwunden.

Das Problem ist aber, dass der chronische Schmerz nicht im geschädigten Gewebe sitzt, sondern im Zentralnervensystem (ZNS), dem Gehirn, dem Zwischenhirn und Rückenmark).

In Teilen des ZNS sitzen aber auch Glück, Trauer, Lust, Leid usw., teilweise benutzen der Schmerz und die Gefühle, die gleichen oder fast identische Bereiche.

Der Schmerz, psychisch

Wenn ich also eine Verletzung habe, diese abgeheilt ist und ich immer noch Schmerzen habe, wo sitzt dann dieser Schmerz. Wenn viele die dasselbe hatten wie ich und sie nun keine Schmerzen mehr haben, was stimmt nicht mit mir?

Wenn ich ständig Schmerzen habe, versage ich vor mir selbst. Egal was ich mache, ich mache es falsch, denn der Schmerz verschwindet nicht. Zusätzlich kommt die Angst dazu. Ich weiß nicht wann der Schmerz kommt bzw. warum. Außerdem lässt mich der Schmerz nicht zur Ruhe kommen und mein Wach-, Schlafrhythmus wird gestört. Der Körper findet keine Zeit sich zu regenerieren. Ich werde immer schwächer.

Schlafentzug und die Androhung von Schmerz, sind Teile der Folter

Der Schmerz, physisch

Es gibt einen Begriff in der Medizin, die Apoptose. Der programmierte Zelltod ist ein Mechanismus, der für die Menschen wichtig ist. Nervenzellen, die ihren Auftrag oder Zweck nicht mehr erfüllen können, sterben ab oder schrumpfen.

Es wird mittlerweile diskutiert, ob Nervenzellen, die den Schmerz nicht mehr selbst regulieren können, sich selbst zerstören.

D. h. Nervenzellen die den Schmerz lindern sollen, geben bei Dauerschmerzen ihre Arbeit auf. Jetzt kann der Schmerz nicht mehr gebremst werden und der Schmerzpatient empfindet die Schmerzen noch stärker. Dieses wird ihm dann zusätzlich zur Last gelegt. Er kann Schmerzen, die er vorher beherrschen konnte, nicht mehr aushalten. Er katastrophisiert, übertreibt, stellt sich an wie ein Weichei. Es wird gesagt, dass er auf den Schmerz und die Folgen wartet, siehe psychischer Schmerz.

Der chronische Schmerzpatient

Er wird als Hypochonder, Simulant, Katastrophisierer, Rentenjäger und vieles mehr gesehen. Ihm wird das körperliche Wirkprinzip zur Last gelegt, welches er gar nicht, untherapiert und ungeübt, beeinflussen kann.

Man sieht einem Menschen mit Dauerschmerzen, diese meist nicht an.

Der Schmerz übernimmt die Kontrolle, dem er sich machtlos ausgeliefert sieht. Vor Dauerschmerzen haben viele Menschen mehr Angst als vor dem Tod.

Wer die Dauerschmerzen oder das Leben mit Dauerschmerzen nicht mehr aushält, wird sterben.

Reiner Glissmann März 2011

Teil III demnächst