Das Verhalten bei akuten Schmerzen

Instinktiv weiß jede Mensch, dass er sein Verhalten ändern muss, wenn er Schmerzen hat.
Wenn er nicht richtig auftritt und mit dem Fuß umknickt wird dieses dem Betroffenen gemeldet. Es findet eine Überlastung oder sogar Schädigung des Gewebes statt.
Der Körper schützt sich selbst. Je nach dem wie stark er umknickt, wird ihm dieses mit Schmerzen gemeldet. Wenn er jetzt sein Verhalten nicht ändert, wird die Schädigung des Gewebes immer schlimmer.
Also, er sorgt für die Linderung des Schmerzes und für die Gesundung des geschädigten Gewebes. Wird Gewebe oder deren Strukturen zerstört muss dieses durch einen Mediziner repariert werden.
Durch die Ruhigstellung z. B. mittels einen Verband oder einen Gips, gibt man dem Köper die Möglichkeit sich zu heilen. Der Mensch kann diesen Heilungsvorgang bewußt unterstützen.
Theoretisch hört sich das ganz einfach an, ist in der Realität aber nicht immer umzusetzen. Dann fangen die faulen Kompromisse an. Als erstes muß er sich überzeugen.
Es kommen dann Sätze wie, "Ist ja nicht so schlimm" oder "Ich habe schon Schlimmeres erlebt" usw. oder andere verharmlosen die Sache und sagen, "Stell dich nicht so an" usw.
Egal wie, es findet eine psychische Beeinflussung statt.


Das Verhalten bei chronischen Schmerzen

Sollte jemand viel Wasser trinken, sagt man dass er ständig Wasser trinkt. Andere werden sagen, dass sie ihn aber z. B. gestern gesehen habe, da hat er nichts getrunken. Diese Beweisführung ist aber nicht stichhaltig.
Mit ständig oder dauernd, meinen wir eigentlich etwas was außerhalb der Norm liegt. Wenn jemand ständig Schmerzen hat muß dieses nicht jeden Tag, 24 Stunden lang sein, sondern die Schmerzen der Erkrankung oder Verletzung, muß außerhalb der Norm liegen. Wenn man einen verstauchten Fuß hat, die Schmerzen nach 14 Tagen noch nicht abgeklungen sind, den Menschen von seinen normalen Tätigkeiten abhält, dann liegt dieses außerhalb der Norm und, man muß etwas unternehmen.
Sagen Mediziner, daß aus ihrer Sicht alles in Ordnung ist, ist etwas anderes passiert.
Wahrscheinlich ist man dann "schmerzkrank"



Der Schmerz ist chronifiziert.

Benannt nach Chronos, in der griechischen Mythologie, der Gott der Zeit.

Jetzt sitzt der Schmerz aber nicht mehr im Fuß sondern hat im ZNS, dem Rückenmark, dem Zwischenhirn und dem Gehirn. Dieses wird die neuronale Plastizität genannt oder umgangssprachlich wird von dem Schmerzgedächtnis gesprochen. Dieses zu verstehen ist aber fast unmöglich.

Ist der Fuß amputiert und der Mensch klagt über einen Schmerz in diesem, spricht man vom Phantomschmerz. Er kann den Schmerz örtlich genau beschreiben, ebenso die Stärke und Art des Schmerzes. Basierend auf die moderne Schmerzforschung glaubt man ihm heute, früher landeten sie, teilweise, in der Psychiatrie. Man unterstellte ihnen, dass sie sich den Schmerz u.a. aus psychischen Gründen nur einbildeten. Teilweise unterstellte man ihnen, dass sie sich einen Vorteil verschaffen wollten.

Was ist aber mit Menschen, die ihren Fuß noch haben und das Gleiche beschreiben. Sie können genau beschreiben, bei welcher Haltung oder Belastung der Schmerz auftritt. Sie haben aber
keinen medizinischen Befund, der dieses bestätigt. Ihnen wird unterstellt, dass sie sich einen persönlichen Vorteil verschaffen wollen. Der einzige Vorteil den sie sich verschaffen wollen, ist die "Schmerzfreiheit"..

Vor gut 2000 Jahren ca. 80 v. Chr., hat ein römischer Anwalt, Philosoph und Staatsmann, Cicero, den Begriff: "cui bono" geprägt. Frei übersetzt heißt es "wem zum Vorteil". In der Kriminalistik wird dieser Begriff heute noch angewendet, z. B. bei Straftat. Wer hatte ein Vorteil, diesen Mord zu begehen?

Dieses Prinzip ist eigentlich die Grundlage des menschlichen Handelns. Wenn ein chronisch Schmerzkranker es anwendet, gerät er in den Verdacht, sich unrechtmäßig,einen Vorteil zu verschaffen. Wenn er aufgrund von Dauerschmerzen nicht arbeiten kann und seinen, rechtlich garantierten, sozialrechtlichen Anspruchgeltend macht, wird ihm dieses oft zur Last gelegt. Viele Mediziner nehmen dieses als Anlass, den Schmerzpatienten nicht zu behandeln.So lange der sozialrechtliche Prozess nicht abgeschlossen ist, verweigert er ihm die Behandlung.

Im Klartext: Solange ein Rentenantrag nicht gewährt ist,soll der Schmerzpatient den Schmerz aufrecht erhalten und jede Therapie boykottieren, da er ja sonst keine Rente bekommt.

Dieses Denken, ist absolut pervers. Da wird dem Patienten ein Masochismus unterstellt. Ein Verhalten, wobei der Mensch seine Lust mit Schmerzen befriedigt. Der Schmerzpatient wird so als Betrüger abgestempelt.

 

Der soziale Rechtstaat

Unser Sozial- und Rechtstaat garantiert, dass wenn ein Bürger sich, aus gesundheitlichen Gründen, nicht selbst versorgen kann, er ein Recht auf staatliche Leistungen hat. Jeder, der in diesem System tätig ist, hat für den Betroffenen alles zu tun, um dieses zu gewährleisten. Die Leistungen werden auf Antrag gewährt. Die Gesetze hierfür, stehen in den 12 Sozialgesetzbüchern.

"Kann gewährt werden....Wenn", nach dem Prinzip der Einzelprüfung. Die Antragstellung darf dem Betroffenen nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Es ist seine staatsbürgerliche Pflicht, sich sozial abzusichern. Das Grundgesetz und die Sozialgesetzbücher sind hier die Grundlage, um Recht zu sprechen.

 

Das Gutachten

Viele Schmerzpatienten werden falsch begutachtet. Oftmals werden der MDK, Amtsärzte, Psychiater, Psychologen oder Orthopäden beauftragt, bei Schmerzpatienten, ein Gutachten zu ertstellen. Die Qualifikation (chronischer Schmerz) dieser Gutachter wird nicht überprüft. So werden Gutachten erstellt, die einem Schmerzpatienten nicht gerecht werden, da die Gutachter, so gut wie nichts über den Schmerz wissen. Sie haben, wie in Teil I beschrieben, eine vage Vorstellung, was Schmerzen sind.

Gerichte, Versicherungen oder andere Institutionen sind aber auf diese Gutachter angewiesen. ein Jurist ist kein Mediziner und ein Mediziner ist kein Jurist.

So müssen sich die Juristen, wie z. B. Richter, auf die Angaben des Mediziners, verlassen können. Wie soll das aber geschehen, wenn der Mediziner nichts über den chronischen Schmerz weiß.

Gutachten, Gegengutachten, Revisionen, neue Untersuchungen etc, bringen dieses System an den Rand der Belastbarkeit und die finanzielle Belastung der Betroffenen und der Solidargemeinschaft werde, über Gebühr strapaziert bis dieses System kollabiert, es zerstört sich von innen.

"Wes Brot ich ess, des Lied ich sing", sagt eine alte Volksweisheit aus dem Mittelalter. Neudeutsch: "Wer das Geld gibt, bestimmt die Musik".

Die, oftmals, viel gepriesene Neutralität und Unabhängigkeit der Gutachter wird dann mit Füßen getreten.

Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Reorganisation des Systems.Unsere Gesetze sind gut, deren Anwendung nicht.