Fibromyalgie Syndrom

Heute am 04.09.2014, habe ich einen Bericht vom 18. Wiener Schmerzkongress,

(http://orthopaedie-unfallchirurgie.universimed.com/artikel/18-internationales-wiener-schmerzsymposium-%E2%80%93-fibromyalgie-fakte)

gelesen.

Anstatt Fibromyalgie Syndrom nenne ich hier die Erkrankung Fibomyalgie.

Ich habe seit 1997 mit vielen an Fibomyalgie erkrankten Patientinnen gesprochen. Ich habe Fachvorträge darüber gehört und viel Literatur über diese Erkrankung gelesen.

In einer Patientenvorstellung während einer regionalen Schmerzkonferenz sagte ein Othopäde: „Für mich hat die garnichts.“ „Richtig“, antwortete ich, sie hat eine Fibromyalgie, die Othopäden nicht behandeln können.

Für mich ergibt sich die Diagnose Fibromyalgie als Fluchtdiagnose. Wenn die Patientinnen eine jahrelange Odyssee hinter sich haben, kommt endlich ein Mediziner zu dieser Diagnose. Die Patientinnen sind glücklich endlich eine Diagnose zu haben und nicht als Spinner oder Hypochonder abgetan zu werden.

Nur jetzt fängt die eigentliche Odysse erst an. Denn es gibt keine Behandlungsrichtlinien. Mal ist es Weichteilrheume, dann eine Antikörper-, dann eine psychische Geschichte usw.

Sie kamen vom Regen in die Traufe und dort befinden sie sich heute noch.

Ich habe mich mit der eigenständigen Krankheit „Chronischer Schmerz“ befasst.

Sie zu etablieren ist meine, mir selbst gestellte Aufgabe.

Zurück zu Fibomyalgie.

Aufgrund, der von mir geführten persönlichen Gespräche, wurde mir klar, dass eine Überlastung der Patintinnen stattgefunden hatte. Überwiegend waren es Frauen im mittleren Alter. Es waren Frauen, die ihre Aufgabe als Ehefrau, Mutter und Tochter sehr ernst nahmen, und versuchten es allen recht zu machen. Ohne unterlaß haben sie funktioniert.

Vom morgendlichen Frühstück für Mann und Kinder, Haushalt, Einkauf, Bügeln, Waschen, Essenmachen, Hausaufgaben der Kinder betreuen, Eltern versorgen, und abends als glückliche Ehefrau den Mann empfangen, musste es zu einem Kollaps kommen.

Sie haben vergessen Grenzen zu stecken und „Nein“ zu sagen.

Siehe auf dieser Seite: Psyche-Ich habe das Recht.

Ich kenne den physikalisch-biologischen Vorgang nicht, nur dass wenn man sich überfordert, das Gehirn Anordnungen gibt, dieses zu korrigieren. Diese Aufgabe stellt sich der medizinischen Grundlagenforschung.

Dieses sind meine eigene Gedanken, die ich hier niederschreibe.

Beispiel:

Die erste Stufe

Wenn jemand dauernd läuft und seine Regenaration nicht einhält, bekommt er Probleme mit dem Bewegungsapparat.

Es kommt z. B. zu einer Reizung der Archillessehne. Anstatt sich auszuruhen und dieses zu kurieren nimmt man aber eine Salbe oder eine Tablette und rennt weiter.

D. h. die Frau ist abends totalerschöpft, macht morgen aber denselben Tagesablauf weiter. Sie weiss, dass sie nahe einer Grenze ist, kann sich dieses Denken aber nicht erlauben. Sonst gerät ihr Selbstbild ins Wanken.

Die zweite Stufe

Nachdem diese Geschichte halbwegs abgelungen ist, kommt es heftiger. Ein größeres Gelenk oder der Rücken schmerzt. Salben, Wärmepflaster, freiverkäufliche Tabletten werden im stärkeren Maße eingesetzt. Mal tut dies weh, mal tut das weh, es gibt aber immer noch keinen Grund etwas zu ändern. Das ganze Leben wird nur noch eine Qual. Man fragt sich, was man verbrochen hat, dass man so gestraft wird, obwohl man doch alles macht. Die Stimmung wird depressiv.

Die Angehörigen oder Freunde können das Klagen schon nicht mehr hören. Der Teufelskreis fängt an und man isoliert sich.

Die dritte Stufe

Jetzt, nach Jahren, die Kinder sind schon mehr oder weniger selbststsändig, die Ehe, mittlerweile eine Routine, kommt man langsam zur Ruhe und die Schmerzen werden unerträglich. Sie gehen zum Hausarzt, der nätürlich nichts krankhaft Organisches findet.

Er glaubt seiner Patientin, da er aber nichts finden kann, überweist er sie an die entsprechenden Fachärzte. Laborwerte, Röntgenaufnahmen, MRT’s usw. bringen auch nichts an den Tag, die diese Schmerzen erklären.

Das Einzige was man findet sind der öminose Druckschmerz an den Stellen, wo die Sehnen an den Muskel ansetzen. Das heisst, das der Bewegungsapparat eigentlich nicht bereit ist zu funktionieren bzw. nicht funktionieren will. Er will theoretisch nur Ruhe.

Das Gegenteil passiert aber.

Die Patientin rennt von Pontius nach Pilatus um den Beweis zu erbringen, dass sie nicht spinnt. Mittlerweise hat man den Rollator, eine Unterarmgehhilfe, Stützverbände oder andere Hilfmittel um dieses zu bewältigen.

Ein Teufelskreis in höchster Vollendung wurde geschaffen.

Dann kommt ein Mediziner zu der glorreichen Diagnose: Fibomyalgie-Syndrom

Endlich hat sie etwas! Jetzt muss man ihr glauben. Die oben beschriebene Odyssee fängt jetzt richtig an, da sie ja angeblich einen Beweis hat.

Sie hat die Diagnose: „Fibromyalgie-Syndrom“, wie „Magen-Darm Syndrom“ wenn jemand dauern übel ist.

An was man erkrankt ist muss man dann herausfinden. Ein Syndrom beschreibt einen Zustand und ist keine Krankheit.

Die vierte Stufe

Triumphierend präsentiert sie jedem ihre Diagnose und weiss nicht, dass sie jetzt zum Spielball des Systems wird.

Sie bekommt alle Arten von Anwendungen. Physikalische Therapien, Akkupunktur, Stromanwendungen, Ernährungsempfelungen usw., doch nichts hilft auf Dauer.

Alle machen für sie und sie ist undankbar, weil ihr nichts hilft.

Die fünfte Stufe

Man empfiehlt der Patientin eine REHA aufgrund der Diagnose.

Hier in der Rahabilitation beginnt aber ein Wettlauf um die Therapie. Je mehr Anwendungen um so größer die Heilungschance, ist die Devise, gemäß dem olympischen Gedanken:

Höher, weiter, schneller.

Teilweise sitzen die Patientinnen dann abends total erschöpft da und weinen.

Was sie benötigen, sind psychologische Gesprächs-Einzeltherapie, jeden zweiten Tag.

Parallel das Erlernen einer Entspannungsübung. Von Jacobsen zu Schultz, d.h von der progressiven Muskeltherpie zum autogenen Training. Erst wenn sie so stabilisiert sind, kann man sehen, ob eine Basis für die Gruppentherapie geschaffen worden ist. Hier kann man dann das Erlernte, in der Gruppe, vertiefen.

Leichte physikalische Anwendungen ohne den Schmerz zu aktivieren.

Welche Anwendung der Patientin hilft, muss dann im Einzelnen herausgefunden werden. Das Spektrum ist sehr weit gefächert. In den meisten Einrichtungen gibt es aber nur das Eine oder das Andere. Hier gilt es eine universelle Ausbildung der Therapeuten anzustreben, keine ideologische.

Das ist ganz grob skizziert, wie man die Fibomyalgie erkennen und therapieren kann.

Alle machen und tun und niemand bleibt mal stehen und denkt darüber nach, was man hier eigentlich macht.

Ich habe meist sehr disziplinierte, intelligente Menschen kennengelernt, die an der Fibomyalgie erkrankt waren.

Mein Wissen wurde von den Medizinern als „Kasperkram“ abgetan haben.

Teilweise waren diese Menschen auch nicht bereit die Konsequenzen zu ergreifen, um ihr Leben zu verändern. Dieses haben dann die Menschen getan, für die man sich aufgeopfert hatte. Der Partner ließ sich scheiden, die Kinder gehen ihren eigenen Weg und die Eltern sitzen dement im Altersheim oder sind verstorben.

Dieses hätte man verhindern können (bis auf den Tod der Eltern), indem man dieses im Vorfeld ordentlich geregelt hätte. Vielleicht wäre eine Scheidung unvermeidlich aber man würde psychisch besser dastehen.

Die Psychotherapie muss lernen, dass sie den Menschen nicht ändern kann, es sei denn, er will es.

Die Verhaltenstherpie sollte herausfinden, wie die Patientin im Alltag ihr Verhalten ändern kann.

Wie man z. B. ein Schuldverhalten oder einen Minderwertigkeitskomplex für die Zukunft ändern kann. Dabei ist es zuerst unwichtig, warum dies Zustände da sind.

Das Geschehene wird man nicht ändern, sondern nur die Zukunft. Diese kann man nur durch das eigene Verhalten ändern.

Es ist unwichtig, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Wichtig ist was passiert mit dem Ei.

Dieses Denken basiert auf die Grundlagen des chronischen Schmerzes. Das rein symptombezogene Denken und Handeln ist vorbei.

Es hat ein neues Zeitalter begonnen was viele noch nicht gemerkt haben. Rein instinktiv wissen sie es nur handeln können sie noch nicht danach, weil ihnen die Grundlagen dafür fehlen oder das System es ihnen nicht erlaubt.

Um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden, müssen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und neue Wege finden. Die alten Ideologien und Dogmen greifen nicht mehr. Man muss herausfinden was gut, also erfolgreich und was schlecht, also erfolglos ist.

Das Finazielle darf nicht an erster Stelle stehen, wenn es darum geht, Menschen zu „heilen“.

Ich würde mich freuen, wenn ich Menschen kennenlernen würde, die genauso denken, Patienten, Therapeuten und Mediziner.