Psyche (altgriechisch ψυχή, psychḗ, für ursprünglich „Atem, Hauch“, von ψύχω, „ich atme/hauche/blase/lebe“) wurde im Altgriechischen in sehr umfassendem Sinn verstanden und sogar zur Umschreibung der ganzen Person verwendet, ähnlich wie im Deutschen Mein Seelchen, Du, meine Seele u.ä., bis hin zur Bezeichnung des Kostbarsten, des Wertvollsten überhaupt....http://de.wikipedia.org/wiki/Psyche

Das Wort "psycho" und Psyche, mit allen seinen Abwandlungen, wie psychosomatisch, psychologisch, die Psyche, Psychiater, Psychopath, Persönlichkeit, dumm, bekloppt, Idiot, Simulant, paranoid, depressiv, seelisch, usw., sind heute allgemeines Vokabular.

Jeder meint etwas anderes damit und benutzt es dem entsprechend. Vor etwas über 100 Jahren begann die Medizin sich mit der Psyche, zu befassen. Das Ich, das Es, das Innen und Aussen, das Bewusstsein und das Unterbewusstsein, das Denken und Fühlen, das Verhalten, die Umwelt, neue Begriffe wurden geboren.

Die Krankheiten waren nicht mehr gottgegeben oder natürlichen Ursprungs, sonder der Mensch wurde verantwortlich für seine Krankheiten gemacht, besonders für die chronischen Erkrankungen.

Neue Berufe entstanden, wie der Psychologe, der Psychiater, der psychologische Therapeut usw., neben dem des Mediziners.

Jahrhunderte lang waren es die Körpersäfte, die natürlichen Elemente oder das Funktionsprinzip des Menschen, ähnlich einer Maschine. Aderlässe, Einläufe, waren z. B. lange Zeit Therapien, die angewendet wurden ohne dass sie den nötigen Erfolg brachten.

Jetzt, Ende des 19 Jahrhunderts, kam das Gehirn als Sitz der Seele ins Spiel. Gelehrte stritten und zerstritten sich, stellten teilweise unhaltbare Theorien auf und nutzten den Menschen als Versuchsobjekt.

Das III. Reich, das es für die Medizin ja nicht gegeben hat, bot jetzt den Medizinern Möglichkeiten, Therapien auszuprobieren, die sich aus humanitären Gründen verboten hätten.

Psychisch krank zu sein, stellte sich als lebensbedrohlich dar. Der Bekloppte, der Idiot, der psychisch Degenerierte, wurde als nicht lebenswert befunden. Sie waren eine Bedrohung für den Rest der angeblich seelisch gesunden Menscheit, die geschützt werden musste.

Bis heute hat sich nicht viel an diesem Verhalten geändert. So ist es nicht verwunderlich, das z. B. die paraniode Persönlichkeitsstörung oder das Simulieren, eine mächtige Waffe, als Diagnose, in der Hand der Mediziner ist.

Immer wenn sie nicht weiter wissen, ist es psychosomatisch. Dabei ist alles "Psychosomatik". Ohne Gehirnfunktionen sind wir tot. Solange wir bei Bewusstsein sind, ist das Gehirn aktiv. Wir befinden, bewerten, empfinden, entscheiden usw., bewusst oder unbewusst.

Bei Schmerzen ist es natürlich fatal, denn niemand kann Schmerzen beweisen.

Wenn der Schmerz dann chronisch geworden ist, stehen die Mehrheit der Mediziner auf dem Schlauch. Aus reiner Verzweiflung gibt man dem Menschen dann eine Diagnose, wie Somatisierungsstörung, Schmerzsyndrom, Fibromyalgie, Polyneoropathie, Rheumatismus etc.

Der Patient, der nach Jahren des Leidens und Umherirrens denkt, dass er endlich eine Diagnose hat, steht auf dem Abstellgleis. Sein Schmerz ist nicht "somatisch" also körperlich, sondern "psychisch" also seelisch und hat damit die Verantwortung. Er ist verantwortlich für seinen Schmerz.

Damit beisst sich die Katze in den Schwanz und der Teufelskreis beginnt. Je mehr er beweisen will, dass er wirlich körperliche Schmerzen hat, um so stärker wird die Beweisführung, dass der Schmerz, seelischer Natur ist.

Er steht als Simulant da, ist erfolgslos, unglaubwürdig und wird depressiv. Spätestens dann hat man den Beweis, dass er psychisch krank ist. Die Umwelt, seine Familie, Freunde und Bekannten, der Arbeitgeber, die Behörden und Gutachter usw. schließen sich der fachlich, qualifizierten Meinung der Mediziner an.

Fast alle schließen sich der fachlichen Meinung der Vorgänger an, um nicht im Kreuzfeuer der Kritik zu stehen oder um selber Verantwortung zu übernehmen.

Der Schmerzpatient verzweifelt, isoliert sich, wird psychisch krank und nimmt sich oftmals das Leben.

Der Schmerz tötet.

Reiner Glißmann 08/2012